Meischner's World

Hoffnung? Eine Beratungsanfrage

Aus einem gestrigen Schreiben an eine Schwerhörigenberatung

Meine beidseitigen Gehörgänge waren im Rahmen einer Körperbehinderung nur sehr unzureichend entwickelt, so daß ich gehörlos zur Welt kam. Glücklicherweise erkannte meine Mutter das sehr frühzeitig – an die täglichen Logopädieübungen daheim vor dem Spiegel kann ich mich noch sehr gut erinnern.

Kurz vor der Einschulung und während der ersten Klasse erhielt ich dann die ersten damals üblichen Hinter-Ohr-Hörgeräte. Da meine Gehörgänge sehr zierlich gebaut sind, konnte ich die Ohrstücke oftmals nicht tragen, da die Ohren ständig entzündet waren.
So wurde später auf eine Hörbrille gewechselt. Und nun, da die Versorgung von Anbeginn zu schwach war, trage ich seit gut 1 1/2 Jahren beidseits Bonebridge-Teilimplantate.

Kurz gesprochen:
Was das für die soziale Teilhabe so wichtige Hörverstehen betrifft, hat sich meine prinzipielle Grundsituation seit der ersten Hörgeräteversorgung nicht gebessert (leider).

 

Zudem habe ich mich mit dem Thema Schwerhörigkeit sehr intensiv auseinandergesetzt und mehr als anderthalb Jahre gründlich recherchiert.

Ich wollte den im Nebel liegenden Pfad zwischen möglicherweise notwendigen persönlichen Lernprozessen oder gar psychischen Störungen und den tatsächlichen Folgen aufgrund einer „nur“ mittleren Schwerhörigkeit möglichst klar und griffig erkennen und beschreiben können. Wenigstens erstmal für mich, damit ich mich aus der inneren Sprachlosigkeit, unnötigen Selbstzweifeln und Ohnmacht lösen kann.

Der Verlauf dieses Erkenntnisprozesses war schon sehr eigenartig, als ob man einen unsichtbaren Wurm fast ein ganzes Leben lang ungezählte Male rüttelt und schüttelt und zieht und zerrt. Und endlich völlig leer, müde und mutlos und ohne einem rechten Ergebnis zu Boden sackt.

Und dann, mit einem Male, als ob sich unbemerkt ein Pfropfen gelöst hätte, wache ich eines Morgens auf und sehe die Dominosteine fallen …. Hoffnung? Eine Beratungsanfrage  Das geschah wiederholt und schubweise zwischen Ende November und Neujahr 2018.

Ich habe es also tatsächlich geschafft !!

Und kann es sogar vermitteln – auch den sozialrelevanten Unterschied zwischen Sehen und Hören. Und warum die versuchten Hilfen für Schwerhörige (nicht Gehörlose) bislang nicht helfen k ö n n e n, inklusive und trotz teuerster, bestmöglicher Hörversorgung.

Ebenso wenig übrigens, wie es die üblichen Taktiken vermögen, die sich Schwerhörige schon sehr früh (und eigenständig !) angewöhnen – allem voran das permanente Nachfragen!!

Dieses Jahr werde ich 50 und in meinem seelischen Treibstofftank sind nur noch flache Pfützen drin, aufgrund meines „freiwillig gewählten“ Rückzugs aus allen Gesellschaftsaktivitäten. Ende letzten Jahres hatte ich bereits für 6 Tage kein Essen und so gut wie kein Wasser mehr zu mir genommen. Ich bin weder psychisch krank (wie mehrfach bestätigt), noch dumm.

Ich weiß nicht, ob Sie oder sonst jemand mir bzw. den schwer Hörenden da wirklich und tatsächlich helfen können.

Meines Erachtens geht es um ein ganz anderes, umfassenderes einander Wahrnehmen, Aufeinanderzugehen jedes Einzelnen in unserer übertakteten, so traurig normierten Alltagswelt.

Auf gleicher Augenhöhe.   Von MENSCH zu MENSCH
nicht gegenüber einem Behinderten oder anderweitig „Hilfsbedürftigen“.

Im Grunde genau das Gegenteil von einem quasi punktuell dem anderen eben ‚mal schnell‘ über die Straße helfen, eine Tasche tragen – oder eines freundlich gemeinten, so oft wiederholten und doch völlig ins Leere laufenden Hinweises: „Du brauchst ja nur nachzufragen“, siehe oben.

Ich könnte mir sogar vorstellen, darüber Vorträge auszuarbeiten und zu halten, am liebsten ergänzt mit spielerischen Erfahrungsexperimenten….

Ich schaff’s nicht mehr, selbst das von mir so geliebte Malen – ein ewiges Beginnen und nicht Vollenden. Das war früher anders.

Mir ist nach so vielen Jahrzehnten des Ringens um ein ganz normales Hörverstehen auf gleicher Augenhöhe und fließendem Austausch unter Menschen schlicht der Lebensfreude-Treibstoff ausgegangen.

Über ein persönliches Gespräch würde ich mich sehr freuen!

Mit freundlichen Grüßen,
Gabriele Meischner

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